| In meinem Tagebuch steht im Mai 1951: „ Haben alle Züge verpasst, weil in Wittenberg der Zug aus Rostock Verspätung hatte. In Leipzig verpassten wir den Anschluss nach Zwickau und mussten auf den nächsten Zug mehrere Stunden warten. Helmut und ich spazierten mit Monika über den Querbahnsteig.“ Schon fällt mir dazu eine Geschichte ein. Meine Nichte Monika war damals gerade 3 Jahre. Für sie war es die erste große Reise. Ich hatte sie an der einen Seite, mein Bruder an der anderen an der Hand. Immer wenn von einem der Bahnsteige ein Zug abfuhr, rief sie “Einsteigen, abfahren“, und fragte „wann fahren wir?“ |
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„ Muss nötig Groß“, sagte sie plötzlich und wir suchten auf dem uns unbekannten Bahnhof eine Toilette. Das ging ihr offensichtlich nicht schnell genug. „ Muss nötig Groß“, sagte sie plötzlich und wir suchten auf dem uns unbekannten Bahnhof eine Toilette. Das ging ihr offensichtlich nicht schnell genug. "Muss nötig, muss nötig" kam es ununterbrochen aus ihrem Mund. Ich nahm sie auf den Arm und begann suchend zu laufen. |
Endlich sah ich eine Toilette und lief auf sie zu, doch da passierte es bereits. Mir lief alles über Hemd und Hose, mein Bruder schlich sich mit hochrotem Kopf davon. Monika hatte den Durchfall. Er sagte aber zumindest meiner Schwägerin Bescheid, die mit meiner Mutter und Opa Schmidt in der Wartehalle saß. Sie brachte auch gleich für mich neue Kleidung mit.
Wir waren gerade wieder in der Wartehalle, als es aus den Lautsprechern klang: „der als verspätet gemeldete Schnellzug aus -------- fährt in wenigen Minuten an Bahnsteig---- ein und aus.“
Schnell alle Sachen gepackt und ab ging es zum Bahnsteig. Im Zug, der schon überfüllt war, bekamen wir dennoch in einem Mutter-Kind-Abteil Platz. Bis nach Zwickau musste meine Schwägerin mehrmals mit Monika auf Toilette. Alle Busse nach Reinsdorf, da mussten wir hin, waren weg und der nächste fuhr erst wieder früh um 6 Uhr. Opa Schmidt ergatterte ein Taxi. War das eine Kiste. Ich weiß heute nicht mehr die Marke. Schwarz, hohe Kühlerhaube, lang gezogen.
„Sie alle soll ich fahren?“ fragte der Taxifahrer „das geht nicht, so viele Leute darf ich nicht laden.“
Ich weiß nicht wie, aber meine Mutter konnte den Fahrer überzeugen, uns alle zu „laden“. Opa Schmidt vorne wie Graf Koks beim Fahrer, meine Mutter, meine Schwägerin, mein Bruder und ich hinten, dazu noch Monika auf dem Schoß von Lenchen. Während der Fahrt schaukelte der Kasten ganz enorm. Monika schlief. Plötzlich machte das Taxi einen Satz nach Oben, war wohl ein Schlagloch. Mein Bruder begann zu lachen. Wenn der anfing zu lachen, dann konnte sich keiner mehr halten, alle mussten mit lachen. Opa Schmidt schaute mehrmals strafend nach hinten.
„Ich habe eingepisst“, zischte mein Bruder, immer noch herzhaft lachend, uns in die Ohren. Zum Glück hatte der Fahrer das wohl nicht gehört, sonst hätte er uns kurz vorm Ziel raus geschmissen.
Am nächsten Tag, Monika hatte noch immer Durchfall, liefen wir ins Nachbardorf. Monika sollte dem Arzt vorgestellt werden.
„Nichts
ernstes“, sagte der „das ist die Luftveränderung und die
Aufregung.
„Sollte der Durchfall aber anhalten, dann müssen
sie ihren Besuch abbrechen, so leid es mir tut.“
Und er hielt an, aus 14 Besuchstagen wurden ganze 4. Wir waren traurig. Ich hatte gerade versucht, mich mit einem der Hauswirtssöhne anzufreunden, damals natürlich nicht ahnend, dass er viele Jahre später einmal der Ehemann meiner Cousine Irmgard werden würde. Die Rückreise verlief problemlos. In Röbel hatte Monika von einem Tag zum anderen keinen Durchfall mehr.

Ende
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