

Eigentlich gehört mir Fussel ja gar nicht, er ist der Kater meines Enkels Dennis, der nach Ibbenbüren heiratet und bis dahin mit mir in einer gemeinsamen Wohnung lebt. Die Wohnung liegt Hochparterre und hat einen Balkon. Fussel bereitet es keinerlei Schwierigkeiten, dieses Hindernis zu überwinden, ich brauche eine Leiter, wenn ich mich mal ausgesperrt habe. Sofern das Wetter es zulässt, sitzen wir viel auf dem Balkon, Alexa macht es sich unterm Tisch gemütlich, Fussel sitzt auf der Balkonsims oder streift wieder einmal über den sehr großen Hof, der zwischen 2 Straßen liegt und er von 2 Miethäusern meines Vermieters begrenzt wird. Es ist Sommer 2000 und Anika, die Verlobte von Dennis, ist für 14 Tage auf Besuch in Leipzig. Wie jeden Tag trinken Anika und ich unseren Frühstückskaffee auf dem Balkon, Dennis ist schon sehr früh zur Arbeit, Fussel sitzt auf dem Hof, ab und zu richtet er seinen Blick zum Balkon.
"Wenn Dennis und ich im Herbst heiraten, kann da der Fussel erst mal bei dir bleiben?," fragt mich Anika.
"Selbstverständlich, ihr müsst euch ja erst mal euer zu Hause ausbauen, da würde der Fussel ja nur stören", antworte ich.
"Na ja, ich meinte das eigentlich anders, kann er nicht ganz bei dir bleiben? Meine Eltern haben einen Hund und der ist ein ausgesprochener Katzenfeind und das geht nicht gut, glaube ich!"
Im Stillen
hatte ich damit schon gerechnet, ja, es mir sogar gewünscht,
denn Fussel und Alexa verstehen sich sehr gut und Fussel habe
ich genauso lieb wie Alexa. Laut aber sage ich:
"Wenn's dann
sein muss, ist nur, im Herbst ziehe ich drüben in das Haus, da
hat der Fred (mein Hauswirt) eine kleinere Wohnung für mich,
diese hier ist für mich allein zu groß."
Der Kaffe ist
alle, ich frage Anika, ob sie noch eine Tasse trinken möchte und
da sie bejaht, gehe ich in die Küche, um ihn aufzusetzen.
Plötzlich ein lauter Schrei vom Balkon, es ist die Stimme von
Anika. Ich stürze zum Balkon, Anika steht auf dem Balkontisch,
kreidebleich, der Zeigefinger ihrer rechten Hand weist nach
unten neben ihren Stuhl. Da sitzt Fussel, neben ihm liegt eine
tote Maus, die er sicherlich auf dem Hof gefangen hat und nun
voller Stolz zeigen möchte. Ich kann nicht mehr, strapaziere
meine Lachmuskeln. Immer noch lachend sage ich zu Anika:
"Der Fussel will dir doch nur danke sagen, dass ihr ihn bei mir
in Leipzig lasst!"
Ende der Geschichte 3 über Kater Fussel
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