Eine neue Liebe
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Sie umarmen, küssen sich, und landen im Bett. Sechs Wochen später sind sie verheiratet, ohne großes Aufsehen. Die kirchliche Trauung wird nachgeholt, als Wolfgangs Wehrdienst beendet ist. Ihr Kind soll getauft werden, was in der DDR keine Selbstverständlichkeit ist, aber die kirchliche Trauung wird vom Gemeindepfarrer zur Voraussetzung gemacht. Jutta hat ein Mädchen entbunden. Ihr Studium setzt sie während der ganzen Schwangerschaft unbeirrt fort, sechs Wochen bleibt sie nach der Entbindung zu Hause, dann übernimmt ihre Mutter die Versorgung des Babys.

Wolfgang ist inzwischen zum Feldwebel befördert worden und leitet den Fuhrpark seiner Einheit in „Ermangelung“ eines geeigneten Offiziers, hat der Oberst zu ihm gesagt. Er will nicht zugeben, dass ein Nichtparteimitglied fachlich besser als jeder Offizier ist, der bisher diese Stellung innehatte. Wolfgang ist inzwischen auch Heimschläfer, was sehr selten vorkommt, wenn nicht mindestens die 18 Monate Pflichtwehrdienst vorbei sind. Wolfgang ist meistens zwischen 16 und 17 Uhr zu Hause, kümmert sich sehr viel um den Haushalt und vor allen Dingen um klein „Kerstin“.

Inzwischen haben Jutta und Wolfgang eine eigene Wohnung in einem Reihenhaus, nicht weit von dem Haus der Eltern von Jutta entfernt. Der Oberst hat sich für ihn beim Wohnungsamt stark gemacht. Kerstin wächst heran, feiert in wenigen Tagen ihren einjährigen Geburtstag.

Wolfgang übt mit ihr „aufs Töpfchen“ machen, täglich mehrmals. Er will, das Kerstin sauber ist, wenn in zwei Monaten die Taufe ist und das Haus voller Besuch. Der Gemeindepfarrer hat nun doch zugestimmt, Kerstin vor der kirchlichen Trauung der Eltern zu taufen. Er weiß, dass es von beiden in ihren derzeitigen Positionen mutig ist, ihr Kind taufen zu lassen. Aber auch noch ein anderer Grund hat ihn dazu bewegt. Jutta wird nämlich eines Tages in das Büro der FDJ-Hochschulgruppe bestellt.

“Also Jutta, wir erwarten von dir, dass du für den Juli deine Tochter zur -Sozialistischen Namengebung- anmeldest. Medizinstudium ist ein Privileg, da muss man zeigen, dass man zu unserer Partei und zu unserem Staat steht.“

Jutta erzählt dem Gemeindepfarrer davon.
“Erst die Taufe, dann können Sie machen, was Sie müssen. Ich verstehe es durchaus.“ Die Taufe wird groß gefeiert werden, die Namensgebung nicht.

Wolfgang hat Kerstin wieder einmal aufs „Töpfchen“ gesetzt. Er kniet vor ihr, die Hände zur Faust geballt, und drückt selbst mit.

“ Kerstin, Aa!“ sagt er dabei und er drückt so, dass sein Gesicht vor Anstrengung rot anläuft. Kerstin pullert in das Töpfchen, steht auf, zeigt auf den Topf.

„Aa, da, Aa“, sie klatscht vor Freude in die Hände.

Pullern ja, aber wann macht sie endlich ihren ersten Haufen in den Topf, denkt Wolfgang? Es klappt noch vor dem großen Tag, der Taufe.

In der Kirche schreit Kerstin, als der Pfarrer ihr das doch kalte Wasser auf den Kopf träufelt. Zu Mittag wird in einer Gaststätte gegessen, alles andere findet im Reihenhaus statt. Wolfgang will den Gästen zeigen, wie schön Kerstin schon auf das Töpfchen macht, dabei vergessend, er hat leichten Durchfall. Alle Gäste stehen um den Topf herum, Kerstin sitzt auf ihm und Wolfgang kniet wie immer mit geballten Fäusten davor und drückt mit.

“Aa, mach Aa!“
Ein Afterwind bei Wolfgang, er springt auf, schreit
„Scheiße!“
und läuft ins Bad. Er ruft noch:
“ Jutta, bring mir bitte mal neue Unterwäsche!"

Im Topf ist kein Häufchen, dafür in Wolfgangs Unterhose. Für Stimmung ist an diesem Tag gesorgt. Immer wieder fängt einer an zu lästern und das ganze Haus ist mit herzlichem Lachen ausgefüllt. Jutta liebkost dann zum Trost jedes Mal ihren so geliebten Wolfgang.

Jutta und Wolfgang gehen ihren Weg, sie wird Kinderärztin werden, Wolfgang besucht, als sie fertig ist, eine Meisterschule. Bis dahin kümmert er sich um den Haushalt und die Kindererziehung, unterstützt von seiner Schwiegermutter. Acht Jahre ist Kerstin, als sie ein Brüderchen bekommt und dann zwei Jahre später noch ein Schwesterchen. Wolfgang wird wie Jutta in die LDPD eintreten, denn er soll als Nachfolger seines Schwiegervaters die Kfz-PGH leiten, sein Schwiegervater geht zur Industrie- und Handelskammer, er wird künftig die Prüfungen bei Kfz-Lehrlingen abnehmen.

Ach ja, eine kirchliche Trauung findet auch noch statt, Jutta ganz in Weiß, Wolfgang im dunklen Anzug. Eine Kinderliebe, die 1964 begann, sie hat noch heute Bestand, nur sind Jutta und Wolfgang jetzt schon mehrfache Großeltern. Kerstin ist in die Fußtapfen ihrer Mutter getreten, sie ist Allgemeinmedizinerin.

 Kerstin ist aber nicht das einzige Kind, sie hat noch 3 Geschwister.

Eine Gemeinschaftspraxis mit zwei Abteilungen „Kinderheilkunde und Allgemeinmedizin“ steht für die Harmonie in der Familie.

Ende

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