" Na der Peter
ist doch in dich verknallt bis über beide Ohren." Regina weiß
gleich, welchen Peter ich meine und wir lachen beide. Und dann
etwas ernster und sinnierend Regina:
" Das habe ich auch
gemerkt, er hat laufend Komplimente gemacht. Der ist in seiner
Entwicklung weiter als alle seine Mitschüler. Hoffentlich macht
der uns keine Schwierigkeiten."
Das Gegenteil ist dann der Fall, der Peter unterstützt uns nach besten Kräften. Das Studienjahr ist zu Ende, noch 5 Tage Zeit für meine kleine Familie und dann geht es mit den 30 Schülern ab nach Ahlbeck in das Zeltlager. Für unsere Schüler erhalten wir zwei große 16-Mann-Zelte, eins für die 16 Jungen und eins für die 14 Mädchen. In das Mädchenzelt kommen noch zwei Mädchen aus einer anderen Gruppe. Diese Gruppe hat 16 Jungen und 18 Mädchen und mit dieser Gruppe unternehmen wir sehr viel gemeinsam. Die Nachtwanderung beispielsweise, Liederabende, der Peter kann übrigens sehr gut singen, und am Ostseestrand zwischen den Jungen beider Gruppen einen Reiterkampf.

Wir männlichen Gruppenleiter sind die Pferde, die Jungen unserer beiden Gruppen die Reiter. Ich habe eine Dreiecksbadehose an, die an der rechten Seite zuzubinden ist. Dreiecksbadehosen sind damals modern. Die Mädchen schauen zu, klatschen und kreischen, mal die eine Gruppe mehr, mal die andere. Der letzte Kampf ist angesagt, er wird die Entscheidung bringen. Mein Reiter ist Wolfgang, ein Klassenkamerad und Freund von Peter. Die beiden Reiter sind etwa gleich stark, das ist ein Hin- und Hergezerre. Plötzlich wird Wolfgang derartig gepackt und ich dabei nach vorne gezogen. Ich merke, wie meine Dreiecksbadehose sich spannt und plötzlich ein fast unhörbarer Knacks, das Band ist gerissen und ich stehe nackt da. Betretene Ruhe ist eingetreten, geistesgegenwärtig lass ich mich in den Sand fallen und bedecke mein bestes Stück mit meinen Händen.
Keinen Bademantel da, keine anderen Sachen zum anziehen, denn wir sind die paar Meter bis zum Strand nur im Badezeug gegangen. Auch Handtücher hat keiner mitgenommen, denn wegen der Wassertemperatur ist Badeverbot von der Lagerleitung angeordnet.
"Wolfgang lauf mal schnell hoch ins Lager und hole mir aus dem Gruppenleiterzelt eine neue Badehose." Mir glüht der Kopf.
"Lass man
Wolfgang", bietet sich Harald, der Gruppenleiter der anderen
Gruppe an,
" ich mache das schon."
Sagt es und
verschwindet ins Lager, kommt mit einer neuen Dreiecksbadehose
wieder. Abends, wenn unsere Kinder schlafen, sitzen wir
Gruppenleiter noch ein bis zwei Stunden zusammen, werten die
Tagesereignisse aus. Heute lachen wir nur, inzwischen kann ich
das nämlich auch schon wieder.
In Röbel macht das Erlebnis natürlich die Runde, meiner Frau ist die ganze Angelegenheit viel peinlicher als mir. Noch Jahre später werde ich immer wieder von Eltern in Elternversammlungen darauf angesprochen und jedes Mal entsteht Heiterkeit. Ich lache kräftig mit. Das hört erst auf, als ich nach Leipzig versetzt werde.
Am nächsten Tag haben die Gruppen Arbeitsgemeinschaft, wir Gruppenleiter Freizeit. Ich kaufe mir in Ahlbeck zwei neue Badehosen, keine Dreiecksbadehosen, sondern herkömmliche, die strapazierfähiger sind. Heute sind die Schüler von damals gestandene Mütter und Väter, aber wenn ich mal wieder in Röbel bin und treffe diesen oder jenen, dann lachen wir gemeinsam über meinen Badehosenunfall vom Sommer 1959.
Ende
Öffne eine neue Geschichte deiner Wahl über das Navigationsmenü!