Der komische Angler
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"Die Nachtruhe ist um 7 Uhr auf dem Zeltplatz beendet, warum fragst du?"

" Da beißen keine Fische mehr, ich würde gerne um 5 Uhr angeln gehen, darf ich das?"

So richtig passt mir das nicht, da ich aber eine schriftliche Erlaubnis der Eltern habe und ich außerdem weiß, dass Friedhelm ein guter Schwimmer ist, sage ich zu:
" Ja, aber nicht jeden Tag, ich sage 3 Mal in der Woche, einverstanden?"
Friedhelm bejaht.

Einmal hat er mich zu einem Turnier eingeladen, da wurde alles Mögliche gemacht, nur nicht geangelt. Die Blinker an der Angel mussten in einen abgesteckten Zielkreis geworfen werden, ich habe den Sinn nicht begriffen, aber Friedhelm war Turnierbester.

Mittagessen brauchen wir nicht selbst zu kochen, durch meine Beziehungen in Röbel können wir an allen Tagen, auch am Sonntag, in der LPG-Kantine zu Mittag essen, für 1 Mark der Deutschen Notenbank pro Person, das entlastet natürlich unseren Etat enorm, das dadurch eingesparte Geld stecken wir alles in die drei Tage Seefest, die im Juli in Röbel stattfinden.

Am Seefestsamstag findet das große Feuerwerk über der Müritz statt und ich habe erlaubt, dass sich jeder ein für ihn günstiges Plätzchen suchen darf, Treffpunkt um 23 Uhr an der verabredeten Stelle. Alle sind da, nur einer nicht, diesmal ist es aber nicht der Angler Friedhelm sondern Ralph, der Hilfsbetreuer. Wir finden ihn schließlich am Fuße des Wasserturms schlafend und betrunken. Wir müssen ihn stützen, so blau ist der, blauer als die Farbe dieses Hintergrundes. Aber das ist eine eigene Geschichte, an der ich zur Zeit arbeite. Zurück zu Friedhelm, immer, wenn der angeln ist, bringt er auch Fische mit, auch Hecht und Aale sind es öfters. Nicht alle essen Fisch, aber die ihn essen, freuen sich immer, wenn wieder Angeltag angesagt ist. Helga, Frau Krüger, inzwischen duzen wir uns, und ich bereiten sie als Bratfisch zum Abendbrot vor. 7 Mal ist Friedhelm angeln, vier Tage vor der Abfahrt zurück nach Leipzig steht Herr Heidmann im Eingang des Wirtschaftszeltes, Vorsitzender der Fischereiproduktionsgenossenschaft.

"Guten Tag Herr Mehl, ich komme in einer unangenehmen Angelegenheit, es geht um Friedhelm ....", es folgt sein Familienname.

"Vor zwei Wochen haben wir bemerkt, dass unsere Reusen und Fangkästen geplündert werden, aber nicht immer die selben sondern schön verteilt im gesamten Abschnitt. Heute früh haben wir ihn endlich gefasst, den Räuber, es ist einer ihrer Jungen, der Friedhelm!"

Ich glaubte im Erdboden versinken zu müssen, zumindest kam es mir so vor. Da ich aber noch lebe, ist es bestimmt nur Einbildung. Ich zitiere Friedhelm heran.

"Warum hast du es mir denn heute früh nicht schon erzählt?"

Friedhelm hat Herrn Heidmann zwar gesagt, dass er mit seiner Klasse hier zeltet, aber ihm nicht erzählt, wer sein Betreuer ist. Herr Heidmann ist dann zum Platzwart und da wir die einzige Schülergruppe sind, kann er nur aus dieser Gruppe sein. Natürlich hätte er auch die Polizei rufen können, doch da er einen Enkel im gleichen Alter wie Friedhelm hat und sich in die Seele eines Jungen versetzen konnte, ließ er es.

 Friedhelm antwortet auf keine Frage, die Tränen laufen ihm die Wangen runter. Ich schicke ihn erst mal in sein Zelt und unterhalte mich in Gegenwart von Helga weiter mit Herrn Heidmann.

"Herr Mehl, da ich Sie gut kenne, mit dem Helmut, Ihrem Bruder, befreundet bin und auch zu Ihrer Mutter heute noch über meine Frau Kontakt habe, lasse ich die Angelegenheit auf sich beruhen und bringe sie nicht zur Anzeige. Das ist aber nur möglich, weil meine Vorstandkollegen zugestimmt haben. Und nun abschließend noch eine Frage: Was hat er denn mit den geklauten Fischen gemacht?"

" Die haben die Helga und ich zum Abendbrot für die Kinder gebraten!"

" Und, hat es den Kindern geschmeckt?"

" Ja und uns auch," sagt Helga in mein betretenes Schweigen.
Herr Heidmann lacht.

"Und noch eins, um 16 Uhr kommt der Vorstand zusammen, da muss sich Friedhelm entschuldigen. Es gibt da einige Kollegen, die wollen auch Sie mal wieder sehen, also wir erwarten auch Sie."

Friedhelm heißt von diesem Tag an "Der komische Angler", dieser Name bleibt ihm bis zum erfolgreichen Abschluss der zehnten Klasse treu.

Jahre später treffe ich Friedhelm wieder, er bildet Lehrlinge in einem technischen Beruf aus.

Ende

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