Die Geschichte eines Teddys
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"Bleibt nur nicht hier, geht nach Westen, da kommen die Amis und Tommys, die sollen nicht so schlimm sein, wie die Russen!"

Und noch eine Flucht steht der Familie nun bevor. Diesmal darf Cläuschen aber seinen Teddy von vornherein mitnehmen, braucht nicht wieder zu schummeln. Kurz vor Parchim werden sie von den Panzern der Russen überholt und die, die da aus dem Turm schauen, winken, dass sie sich zurück begeben sollen. In einem alten Landschloss, wo sie schon letzte Nacht geschlafen haben, finden sie auch für die neue Nacht eine Bleibe. Inzwischen sind auch zwei junge Mädchen aus Polen mit im Saal, Zwangsarbeiterinnen, die sich mit Cläuschen anfreunden. Ein Glück für die Mutter, sie werden sie später retten.

Die Nacht wird furchtbar. In allen Ecken des Saales schreien und wimmern Frauen, wie die Mutter Claus später erzählt, wurden sie von russischen Soldaten vergewaltigt. Plötzlich sitzt so einer auf der Bettkante der Mutter und versucht sie zu überreden, mit nach Draußen zu kommen. Die beiden Polenmädchen reden in ihrer Sprache auf ihn ein. Claus liegt neben der Mutter, daneben sein Teddy und neben dem Teddy liegt Frau Mundtau, eine Frau, die sich in der kleinen mecklenburgischen Stadt an sie angeschlossen hat, mit einem ihrer Kinder. Der Russe lässt von der Mutter ab, die beiden Polenmädchen haben es geschafft, ihn zu überzeugen. Doch plötzlich übersteigt er die Mutter und Claus, tritt dabei den Teddy, der brummt entrüstet, und macht sich über Frau Mundtau her, die schreit und wimmert, wie viele andere Frauen im Saal auch.

Claus wird dieses Erlebnis nie in seinem Leben vergessen und sein Teddy wahrscheinlich auch nicht, zumal er dabei noch getreten wird. Nach der zweiten Flucht begibt sich die Familie in Begleitung der beiden Polenmädchen zurück in den kleinen mecklenburgischen Ort an der Müritz. Die beiden Mädchen halten sich noch einige Tage bei der Familie auf, um dann in ihre Heimat weiter zu ziehen. Die Begleitung durch die beiden Polenmädchen schützt die Mutter vor Übergriffen durch die russischen Besatzer.

Die Zeit verstreicht, es ist Mitte Dezember 1945. Wie jeden Monat sind die Lebensmittelkarten schon wieder aufgebraucht und es steht das erste Weihnachten in der Fremde vor der Tür. Vom Vater hat man bisher nichts gehört, Oma und Opa sollen doch noch versucht haben, Königsberg zu verlassen und sind in der Ostsee ertrunken, so hat es die Mutter von einer Bekannten aus der Heimat erfahren, die sich einige Tage bei der Familie aufhält. Bei den Großeltern ist die jüngste Schwester der Mutter mit ihren Kindern, sie kann den Großeltern nicht helfen, wie die Bekannte erzählt.

Im Moment hat die Mutter aber andere Sorgen, wie bekomme ich meine Kinder satt, überlegt sie, wie kann ich Weihnachten doch noch zu einem Fest werden lassen, wenn auch zu einem mageren. Die Mutter hat die wenigen Wertsachen, die sie am Körper trägt, schon alle zu Lebensmittel gemacht, ihre Uhr bringt 50 Pfund Kartoffeln und 2 Brote, der goldene Ehering nicht viel mehr. Nun hat sie nichts mehr. Als sie auf einem Dorf ihren Ehering versetzt, ist Cläuschen mit seinem Teddy dabei, die Frau des Bauern interessiert sich für den Teddy. Etwas aufgepäppelt wäre das doch ein Geschenk für ihren Sohn, denkt die Bäuerin und sie sagt es der Mutter. Cläuschen ist entsetzt. Nun, da aber Weihnachten vor der Tür steht, nichts essbares mehr im Haus, kommt der Mutter wieder der Gedanke, den Teddy doch zu Lebensmitteln zu machen.

“Mama, ich habe Hunger“, sagt Claus.

„Ich auch, mein Kind, es ist aber nichts mehr da.“

„Mama, und wenn wir den Teddy doch der Frau in Bollewick geben, die gibt uns dann bestimmt etwas zum Essen.“ Der Mutter fällt ein Stein vom Herzen und doch ist sie sehr traurig. Wie groß muss der Hunger ihrer Kinder sein, wenn Claus sich sogar von seinem Teddy trennen will.

“Wenn wir wieder nach Hause fahren, da können wir ihn doch zurückholen, zu Hause haben wir ja genügend zu essen!“

Nach Hause!?! , die Mutter glaubt nicht mehr daran, doch tief in ihrem Herzen besteht eine unendliche Sehnsucht, die bis an ihr Lebensende auch nicht aufhören wird, aber immer wieder verdrängt sie diese Sehnsucht. Mit den Lebensmitteln für den Teddy kommt die Familie über Weihnachten, sogar einen Pfefferkuchen kann die Mutter backen.

Sehr viele Jahre später wird der Zufall es fügen, dass Claus sich mit dem Sohn der Bäuerin anfreundet, die den Teddy gegen Lebensmittel erworben hat. Auf dem Dachboden in einer Kiste verstaut finden er den Teddy, es ist wieder kurz vor Weihnachten und Claus erzählt seinem Freund die Geschichte von diesem Teddy. Am Heiligen Abend klopft es an der Wohnungstür.

„Ho-Ho, Ho-Ho, öffne die Tür, hier ist der Weihnachtsmann!“

Vor der Tür steht der Freund von Claus mit seiner Ehefrau, im Arm den Teddy und der Teddy hat ein Schild um den Hals auf dem steht:
„Von hier bin ich Weihnachten 1945 nach Bollewick gegangen, heute komme ich zurück, denn hier gehöre ich hin!“

Ende

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